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AMTSGERICHTsdirektor IM SCHLOSS 

Ich hatte das Vergnügen und die Ehre, von 1994 - 2017 Richter am Amtsgericht in Winsen(Luhe) und ab 1997 dessen Direktor sein zu dürfen.

Was gibt es schöneres für einen Juristen, als Amtsrichter und dann noch 20 Jahre lang Direktor eines solchen Gerichts sein zu dürfen, und dann noch in Winsen(Luhe) im dortigen Schloss - und das mit einem solch tollen Team, wie ich es gehabt habe!

Als Amtsgerichtsdirektor ist man einerseits Behördenleiter und andererseits Richter (bei mir war die Aufteilung ca. 40% zu 60 % )

Sehr dankbar erinnere ich mich, dass dieses wunderbare Team mich bei der Sanierung des Schlosses sehr unterstützt hat, indem es gesehen hat, dass wir auf einem guten Weg sind und sie deshalb wochen-, monate- und jahrelang schlimmste räumliche Situationen klaglos ertragen haben. Von einem auf den nächsten Tag wurden Räumlichkeiten wegen Baufälligkeit gesperrt, Fenster waren monatelang mit Spanplatten zugenagelt, über viiiele Monate / Jahre herrschte Krach und Dreck, der selbst durch die Abdeckung der Brandmeldeanlage kroch, sodass mehr als einmal ein Löschzug der Feuerwehr wegen Feuer-Fehlalarm vor der Tür stand. Aber mit viel Glück, Beharrlichkeit und der großartigen Unterstützung des Justizministeriums einschließlich des persönlichen Einsatzes mehrerer Justizminister und einer hervorragenden Arbeit des Staatlichen Baumanagements konnte in 21 Jahren Sanierungszeit ein kleines Schmuckstück wiedererschaffen werden, das auf den Schlossseiten angeschaut werden kann.

Als Amtsgerichtsdirektor war ich neben meiner sonstigen Behördenleitungstätigkeit auch Dienstaufsicht über Schiedsleute und heute bin ich im Nachbarbezirk selbst Schiedsmann!

In meiner Eigenschaft als Amtsrichter war ich hauptsächllch mit Erbscheins- und Zivilsachen (mit einem Spezialdezernat für Medizinfälle) befasst, ich war Ermittlungsrichter und Vorsitzender des Landwirtschaftsgerichts. Bei dieser Richtertätigkeit ist man vor Ort am Puls des Lebens und hat mit allen erdenklichen und nicht erdenklichen menschlichen Aspekten des Lebens zu tun. Dabei hatte ich auch sehr schwerwiegende Entscheidungen zu fällen - z.B. dreimal über die Frage Leben oder Tod zu entscheiden. Es musste aber z.B. auch entschieden werden, ob die Krankenkasse die Kosten für Viagra übernehmen muss, ob der Kinderwagen im Treppenhaus stehen darf,  ob Schadensersatz für ärztliche Fehler zu zahlen ist, ob Mietminderungen berechtigt sind, wer nach einem Verkehrsunfall was zu zahlen hat, wer den Rettungswageneinsatz zu zahlen hat, wenn ein Passant diesen ruft, aber der Unfallbeteiligte so wenig verletzt ist, dass er nicht mitfahren will, oder ich hatte über Nachbarschaftsstreitigkeiten zu urteilen (Beispiele siehe meine Seite Spiegel-TV). 

Diese richterliche Tätigkeit wird nicht langweilig. Immer wieder kamen mir Fälle auf den Tisch, die für mich gänzlich neu waren. Mehr als einmal musste ich dabei juristisches Neuland betreten und habe durch ein Urteil einmal sogar eine Änderung des NdsNachbarrechtsG initiiert. Es gibt beim Amtsgericht also nichts, was es nicht gibt!. Deshalb hat man als Amtsrichter entscheidungsfreudig zu sein, muss ein ordentliches Rückgrat haben und Aktenmassen flott bearbeiten können, denn der Bürger erwartet eine zeitnahe nachvollziehe pragmatische Lösung seines Falls, die er auch versteht. Sehr angenehm ist, dass man dabei in größter richterlichen  Unabhängigkeit handeln kann - das ist aber auch eine große Verantwortung. Amtsrichter zu sein ist also eine wunderbare Aufgabe!

So bin ich glücklich und dankbar, heute auf wunderbare, erlebnisreiche 36 Jahre in der niedersächsischen Justiz, insbesondere auf meine Zeit als "Schlossherr" am Amtsgericht Winsen(Luhe), zurückbilden zu dürfen! Glück gehabt im Leben - und danke an die vielen vielen tollen Menschen, die mich dabei wohlwollend begleitet haben.